Herzlich Willkommen bei REACH Hamburg

REACH Hamburg - Newsletter, Ausgabe 2013-08

Liebe Leserinnen und Leser des REACH Hamburg Newsletters,

dieser Newsletter ist ein Service des Projektes REACH Hamburg. Ein Projekt, welches die Wirtschaftsakteure in der Umsetzung der neuen Europäischen Chemikalienverordnung REACH unterstützt.

Träger von REACH Hamburg ist ein Netzwerk Hamburger Firmen, Verbände und Behörden, welches sich vierteljährlich trifft um sich zu aktuellen Themen der REACH Umsetzung auszutauschen. Es besteht die Möglichkeit für weitere Firmen nach Voranmeldung an diesen Treffen teilzunehmen und Mitglied des Netzwerkes zu werden. Die Mitgliedschaft im Netzwerk ist kostenpflichtig.

Weitere Informationen zum Projekt und den Beteiligten finden Sie unter www.reach-hamburg.de

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, senden Sie uns eine E-Mail: reach-hamburg@oekopol.de

Der REACH Hamburg Newsletter wurde erstmalig mit der Ausgabe 6/08 im html Format versendet. Sollten sie das Textformat vorziehen, können sie diese Änderung hier einrichten.

Die aktuellen Meldungen im Überblick:


Neues aus der ECHA


1. Erste öffentliche Konsultation eines Zulassungsantrags – Beschichtung von Flugzeugrotorblättern mittels DEHP

Am 14. August 2013 hat die ECHA die allererste Konsultation zu einem Zulassungsantrag unter REACH eröffnet. Interessierte Kreise, d. h. jeder, der relevante Informationen besitzt, kann diese nun bis zum 09. Oktober (insgesamt 8 Wochen) über eine entsprechende Website an die ECHA übermitteln (https://comments.echa.europa.eu/comments_cms/AfA_Comments.aspx?substancename=Bis(2-ethylhexyl)%20phthalate%20(DEHP)&ecnumber=204-211-0&casnumber=117-81-7). Die Anwendung ist der Einsatz von DEHP ( bis(2-Ethylhexyl) Phthalat (DEHP, EC-Nr.: 204-211-0, CAS Nr.: 117-81-79) in einem Gemisch zur Produktion von Rotorblättern in Flugzeugmotoren. Herstellung und Formulierung des DEHP-haltigen Gemischs werden nicht betrachtet, da beide Prozesse außerhalb der EU stattfinden. Die Verwendung findet in einem Reinraum unter kontrollierten Bedingungen statt. DEHP ist zu ca. 5 % im Gemisch enthalten und wird im Rahmen eines finalen Behandlungsschritts bei etwa 700°C zerstört. Andere Schritte finden bei Umgebungstemperatur statt, sodass hier von keiner erhöhten Exposition von Arbeitern über den Luft- und Hautpfad ausgegangen wird.
Die Informationen werden entsprechend bei der Erstellung der jeweiligen Gutachten der beiden Ausschüsse bei der ECHA berücksichtigt und können entsprechend die Entscheidungen beeinflussen. Die Ausschüsse sind der sogenannte RAC (engl. Risk Assessment Committee – Ausschuss für Risikobewertung) und der SEAC (engl. Socio-Economic Analysis Committee, Ausschuss für sozioökonomische Analysen).
Der RAC bewertet die stoffbezogenen Risiken sowie Risiken, die von Alternativen ausgehen. Informationen zu diesen Alternativen können besonders von Interesse im Rahmen der Konsultation sein, da diese möglicherweise nicht bei den Antragsstellern selber liegen (da diese sich vornehmlich auf die eigene Technologie in der Vergangenheit konzentriert haben).
Der SEAC prüft und vergleicht die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen eines möglicherweise resultierenden Stoffverbots und einer erteilten Zulassung und gibt seine Einschätzung ab, ob die Zulassung gerechtfertigt erscheint. Auch Informationen zu den Kosten von Alternativen sowie möglicher Schäden Dritter oder der Umwelt können Informationen sein, die noch in den Prozess eingebracht werden können und von Interesse sind.
Um einschätzen zu können, welche Informationen möglicherweise bereits berücksichtigt wurden, werden im Rahmen der Konsultation Teile des Zulassungsantrags veröffentlicht. Dazu gehören:

  • Allgemeine Beschreibung der Verwendungen des Antrags (Use Deskriptoren, Art der Anwendung)
  • Nicht vertrauliche Expositionsszenarien
  • Analyse der Alternativen
  • Ggf. Substitutionsplan (in diesem Fall enthalten in der Analyse der Alternativen, da die abschließende Bewertung der Alternativen noch Teil einer Substitution ist)
  • Zusammenfassung der sozioökonomischen Analyse

Um die Informationen in einer strukturierten Form zu erhalten, gibt es bei der ECHA Formatvorlagen, die offline bearbeitet werden und anschließend hochgeladen werden können. Für die Übermittlung der Informationen ist eine Anleitung bei der ECHA erhältlich (derzeit nur in Englisch): http://www.echa.europa.eu/documents/10162/13555/instructions_third_parties_afa_en.pdf.
Es ist möglich, Informationen vertraulich oder nicht-vertraulich zu übermitteln. Für beide Arten der Information gibt es eine Formatvorlage (MS-Word Format,
vertraulich: http://www.echa.europa.eu/documents/10162/13555/conf_template_afa_en.doc
nicht-vertraulich: http://www.echa.europa.eu/documents/10162/13555/non_conf_template_afa_en.doc
Prinzipiell ist vorgesehen, eingegangene Kommentare zu veröffentlichen. Dieser Abschnitt ist jedoch bisher noch leer.
Der Antragssteller hat, nachdem die Entwürfe der Stellungnahmen von RAC und SEAC erstellt wurden, noch vier Wochen Zeit selber zu diesen Stellung zu beziehen und entsprechend mit einer Änderung des Antrags auf mögliche neue Informationen zu reagieren. Insgesamt bleibt abzuwarten, wie die Situation sich darstellt, wenn weniger spezielle Verwendungen diskutiert werden.


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2. ECHA und Stakeholder erarbeiten Roadmap zur Verbesserung der Qualität von Stoffsicherheitsberichten und Expositionsszenarien

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der ersten und auch der zweiten Registrierungsphase wurde immer wieder festgestellt, dass die Stoffsicherheitsberichte (engl. Chemical Safety Reports - CSR) und den darin enthaltenen Expositionsszenarien (ES) noch nicht den hohen Qualitätsstandards einer REACH-Bewertung im Sinne der Verordnung und der Leitlinien entsprechen. Im Rahmen eines Austauschs zwischen ECHA, acht Mitgliedsstaaten (AT, DE, DK, IT, ES, NL, PL, UK) und verschiedenen Industrieverbänden (Cefic, DUCC, Concawe) wurde daher eine CRS/ES-Roadmap zur Verbesserung dieser Elemente der REACH-Verordnung erarbeitet (in Englisch http://echa.europa.eu/documents/10162/15669641/csr_es_roadmap_en.pdf).
Die "CSR-Roadmap" besteht aus einem 20-seitigen Papier, in welchem Themenfelder identifiziert werden, in denen weitere Arbeit in Verbesserungen investiert werden soll. Insgesamt wurden fünf übergeordnete Themenfelder benannt:

  1. Verbesserung der Stakeholder untereinander.
    Diese Aktivitäten umfassen Aktivitäten in der Kommunikation zu den Verwendungen aus den CSR sowie der ES zur Kommunikation in den Sicherheitsdatenblättern.
  2. Eingangsinformationen zur Nutzung in den Stoffsicherheitsbewertungen
    Identifizierung des Informationsbedarfs der Registranten von den nachgeschalteten Anwendern, um eine Bewertung der Verwendungen sicherzustellen.
  3. IT-Tools und Standardisierung
    Erstellung von IT-Tools und Standards zur Kommunikation konsistenter Sicherheitsinformationen.
  4. Unterstützung von Formulierern
    Erarbeitung eines Prozesses für Formulierer, welcher bei der Konsolidierung erhaltener Informationen zu Einzelstoffen für die sichere Verwendung von Gemischen unterstützen soll.
  5. Unterstützung von Endanwendern
    Analyse der unterschiedlichen Bedürfnisse von Endanwendern hinsichtlich der Art wie Informationen für eine sichere Verwendung aufbereitet sein müssen.

Die einzelnen Themenfelder werden in weitere Unterthemen unterteilt. Zu einzelnen Themen laufen die Aktivitäten bereits unter einem anderen Dach (z. B. ES im Rahmen des ENES Netzwerkes oder IT-Tool Entwicklung bei CHESAR). Ziel der Roadmap war es, die Themen zu bündeln und miteinander zu koordinieren. Insgesamt stellt die Roadmap eine Perspektive für die Aktivitäten in den Jahren 2013-2018 dar. Auf der Internetseite der ECHA zur Roadmap werden Details für die Zeitplanung und Ansprechpartner/federführende Organisationen zu den einzelnen Themen benannt (http://echa.europa.eu/csr-es-roadmap).
Die Roadmap wird begleitet von einer Unterstützungserklärung, in der sich Organisationen zu einer aktiven Unterstützung der Roadmap verpflichten können. Zahlreiche Industrieverbände (14) und Mitgliedsstaatenbehörden (9) haben sich dort bereits eingetragen (http://echa.europa.eu/web/guest/csr-es-roadmap/contributors)


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3. Neues zu den Updates der Leitlinien

Nachdem die ECHA vor dem letzten Stichtag für die Registrierungen eine Überarbeitung der Leitlinien weitgehend ausgesetzt hat, ist in diesen Prozess nun wieder verstärkt Bewegung gekommen. Hier eine kurze Übersicht der letzten Entwicklungen:

Leitlinie zu den Informationsanforderungen und der Stoffsicherheitsbewertung:

Leitlinie zu den Sicherheitsdatenblättern

Leitlinie für nachgeschaltete Anwender

Außerdem sind zwei Leitlinien zur CLP-Verordnung nun in der letzten Phase der Konsultation angelangt. Der CARACAL (Ausschuss der competent Authorities) zur Anpassung an die 2. und 4. Anpassung an den technischen Fortschritt (ATP) berät abschließend über die Verabschiedung der Dokumente:

In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die EU-Kommission eine Berichtigung des Anhangs VI der CLP-Verordnung (Liste der harmonisierten Einstufungen) veröffentlicht hat. Zur Änderungsverordnung führt folgender Link: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:216:0001:0058:DE:PDF (in der deutschen Version wurden leider die Stoffnamen nicht mit übersetzt!)
 Die Übersichtsseite zu den Leitlinienkonsultationen findet sich im Internetauftritt der ECHA unter: http://echa.europa.eu/web/guest/support/guidance-on-reach-and-clp-implementation/consultation-procedure/ongoing/clp


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Neues von nationalen Behörden ,Verbänden, NGOs


1. Autoren des VCI und der Bayer AG veröffentlichen Fachartikel zum Stand der REACH-Umsetzung

In einem Artikel "Five years REACH: lessons learned and first experiences - an industry’s view", Angelika Hanschmidt, Michael Lulei, Andrea Paetz, für das Fachmagazin "Environmental Sciences Europe" (freier Download in Englisch http://www.enveurope.com/content/25/1/19) äußern sich drei Fachexperten des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) und der Bayer AG zum derzeitigen Stand der Umsetzung von REACH.
Der Artikel ist erschienen in einer Serie namens "Five years REACH", herausgegeben von Christoph Schulte aus der Chemikalienabteilung des Umweltbundesamtes. Andere Veröffentlichungen der Serie sind ebenfalls frei erhältlich. Folgende drei Fachartikel sind verfügbar:
•    PBT borderline chemicals under REACH, Christiane Zarfl, Michael Matthies Environmental Sciences Europe 2013, 25:11 (4 May 2013), http://www.enveurope.com/content/25/1/11
•    Editorial: Five years REACH, Jochen Flasbarth (22 October 2012) http://www.enveurope.com/content/24/1/32
•    Discussion: Five years REACH – lessons learned and first experiences. I. an authorities' view, Christoph Schulte, Lars Tietjen, Ann Bambauer, Andreas Fleischer (20 October 2012), http://www.enveurope.com/content/24/1/31

Sie beschreiben darin die bisher aus Ihrer Sicht erreichten Neuerungen und identifizieren Bereiche, in denen sie weiteren Handlungsbedarf sehen. Als wichtige Erkenntnis bekräftigen die Autoren in dem Artikel, dass die Prozesse der REACH-Verordnung außerordentlich komplex sind und als Folge davon in der Industrie erhebliche Kosten für deren Umsetzung entstanden sind. Aus der Beobachtung der vergangenen Jahre fordern die Autoren daher eine Vereinfachung und Verschlankung der REACH-Prozesse, damit zukünftig diese Kosten wieder gesenkt werden können.
Ein weiteres Feld, in dem Handlungsbedarf gesehen wird ist die Harmonisierung der Regeln für die Stoffbewertung in Bezug auf die erwarteten Inhalte zwischen den einzelnen Mitgliedsstaatenbehörden und der Industrie. Wichtig dafür sind aus Sicht der Autoren ein gemeinsames Verständnis der wissenschaftlichen Basis und eine offene Kommunikationskultur zwischen Behörden und Industrie.
Die (erweiterten) Sicherheitsdatenblätter werden auch genannt, wenn es um das Thema Vereinfachung geht. Diese werden als wesentlich zu komplex und nicht zielführend im Sinne einer verbesserten Risikokommunikation zu Stoffen empfunden.
Im Zusammenhang mit der Zulassung unter REACH sehen die Autoren die Gefahr, dass der Prozess vermehrt politisch besetzt ist und nicht mehr zu einer wirklichen Risikokontrolle beiträgt. Hier wird um eine Versachlichung der Debatte über besonders besorgniserregenden Stoffen geworben.
Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass aufseiten der Industrie viel dafür getan wurde und auch zukünftig getan wird, dass REACH als Gesamtpaket ein Erfolg wird und die Prozesse sachgemäß umgesetzt werden.


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2. Zulassungskonsortium für Hexabromocyclododecan in Gründung

Hexabromocyclododecan (HBCDD) ist ein auf Anhang XIV verzeichneter Stoff, seine Verwendung ohne erfolgreiche Zulassung ist begrenzt bis zum 21.08.2015 (sunset Date). Um entsprechend den Regeln der Zulassung unter REACH eine kontinuierliche Nutzung sicherzustellen, müssen Zulassungsanträge bis zum 21.02.2014 bei der ECHA gestellt sein (dies gilt natürlich vorbehaltlich, dass danach eine Zulassung erteilt wird). HBCDD ist ein persistenter, bioakkumulierender, toxischer Stoff (PBT), daher gilt für einen Zulassungsantrag verpflichtend die sozioökonomische Route.
Interessant ist dieser Stoff vor allem auch deshalb, weil er kürzlich in dem Stockholmer Übereinkommen aufgenommen wurde, dort aber Ausnahmen für seine Anwendung in Baumaterialien (z. B. Dämmplatten) aus Polystyrol gemacht wurden. Üblicherweise werden die Stoffe des Stockholmer Übereinkommens nicht von REACH behandelt, sondern in der entsprechenden europäischen POP-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 850/2004 http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2004:158:0007:0049:DE:PDF). Diese wurde aber bisher noch nicht angepasst.
Somit gilt zunächst weiter REACH. Es könnte auch sein, dass die Regelung in der EU weiter besteht, sodass jeder für Verwendungen im Rahmen der Ausnahme im Sinne des Stockholmer Übereinkommens eine Zulassung benötigt. Damit könnte sichergestellt werden, dass der Stoff im Bereich der Ausnahme kontrolliert gehandhabt wird.
Um ein gemeinsames Zulassungsdossier für den Stoff zu erstellen, hat nun einer der Registranten des Stoffs, EVERKEM aus Italien, über den Dienstleister REACH-Centrum einen Aufruf gestartet weitere Firmen zu finden, die Interesse an einer Zulassung haben.
Der Kontakt ist zu finden bei REACH-Centrum unter  http://www.reachcentrum.eu/component/news/news/73-hexabromocyclododecane.html


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3. UBA Studie identifiziert 132 potenzielle PBT-Stoffe

Stoffe mit sowohl persistenten, bioakkumulierenden und toxischen (PBT) und mit sehr persistenten, sehr bioakkumulierenden (vPvB) Eigenschaften gelten unter REACH als besonders besorgniserregende Stoffe und können somit Kandidaten für die Zulassung werden. Die Kriterien, wann ein Stoff als PBT oder vPvB zu gelten hat, sind in Anhang XIII von REACH festgeschrieben. Da jedoch nur nach und nach Registrierungen für Stoffe gemacht werden und eine abschließende Bewertung nur für Stoffe im Mengenband oberhalb von 100 Tonnen pro Jahr durchgeführt werden kann (aufgrund der Datenanforderungen in REACH), hat das Umweltbundesamt nun in einer Studie ein breit angelegtes Screening mithilfe verschiedener Modelle (QSAR) durchgeführt.
Insgesamt wurden bei diesem Screening 132 potenzielle PBT oder vPvB Stoffe entdeckt (Link zur Studie: http://www.reach-info.de/pbt_screening.htm). Die Ergebnisse der Studie und weitere Informationen von Mitgliedsstaaten wurden zusammen in einer Liste verarbeitet, die von der PBT-Expertengruppe der ECHA als Grundlage für eine weitere Bearbeitung genutzt wird.
Die PBT-Expertengruppe findet sich unter dem Dach der ECHA zusammen und besteht aus etwa 15 Experten, welche von den zuständigen Fachbehörden der Mitgliedsstaaten, den Industrieverbänden und Nichtregierungsorganisationen (NGO) benannt werden. Die Gruppe trifft sich etwa 2-3 Mal im Jahr. Ziel ist es, auf informelle und nicht bindende Art und Weise wissenschaftlichen Input für die Identifizierung und Bewertung von PBT und vPvB-Stoffen bereitzustellen.


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4. NGO "Client Earth" veröffentlicht Studie zu endokrin wirksamen Stoffen in REACH-Registrierungsdossiers

Teil einer REACH-Registrierung der letzten beiden Registrierungsrunden war die Stoffsicherheitsbewertung (verpflichtend für Stoffe > 10 Tonnen Jahresmenge pro Registrant). Ein Teil der Stoffsicherheitsbewertung umfasst die Beschreibung der gefährlichen Eigenschaften eines Stoffs auf Basis der gesammelten Testdaten. Der begriff "gefährlich" umfasst in diesem Prozess jedoch nicht nur den Gegenstand des Artikels 3 der CLP-Verordnung, also Eigenschaften, die in einer Einstufung münden. Zwar sind es zumeist diese Eigenschaften wie z B. Hautreizung, toxische Wirkungen etc., die betrachtet werden. Daneben gibt es aber auch Gefahren, die nicht in eine Einstufung münden. Dazu gehört die Eigenschaft der endokrinen Wirkung. Endokrin wirkende Stoffe sind für Organismen schädlich, weil sie in deren Hormonsystem eingreifen können und auf diese Weise das komplizierte Gleichgewicht der Hormone stören können und daraus negative Effekte resultieren. Der Nachweis der endokrinen Wirkung ist aufgrund der Komplexität oftmals umstritten und schwer zu führen. Gleichwohl gelten endokrine Stoffe als gleichermaßen besorgniserregend im Sinne des Artikels 57 von REACH und können bzw. wurden auch schon aus diesem Grund auf die Kandidatenliste gelangen/gesetzt.
In einer Studie der NGO "Client Earth" wurde untersucht, inwieweit die derzeitigen Registrierungen dazu beitragen, Stoffe mit endokrinen Eigenschaften zu identifizieren (Studie in Englisch http://www.clientearth.org/201307232238/health-environment/health-environment-publications/reach-registration-and-endocrine-disrupting-chemicals-2238)
In der Studie wurden die veröffentlichten Daten aus den Registrierungen von fünf Stoffen untersucht, die nach Ansicht der Umweltschutzorganisation endokrine Eigenschaften besitzen. Diese wurden verglichen mit Veröffentlichungen, die ansonsten noch öffentlich zu den Stoffen verfügbar waren, um zu untersuchen, inwieweit die Registranten ein vollständiges Bild der verfügbaren Information zu den Gefahren eines Stoffes zusammengetragen hatten und somit das Prinzip von REACH "No Data – No Market" ausreichend berücksichtig wurde. Die Stoffe waren:

  • Diethylphthalat (DEP),
  • Bisphenol A (BPA),
  • Tetrabrombisphenol A (TBBPA),
  • Triclosan
  • Octyl-methoxycinnamat (OMC)

Insgesamt kam die Studie zu dem Schluss, dass wesentlich mehr Daten in wissenschaftlichen Publikationen über endokrine Effekte verfügbar gewesen seien, als in den Dossiers berücksichtigt wurde. Die Nachvollziehbarkeit der Studien aus den qualifizierten Zusammenfassungen war nach Ansicht der Autoren nicht immer gegeben und bestimmte Aspekte der Originalstudien wurden ausgelassen. Die Autoren urteilten daher, dass das Prinzip des "weight of evidence" nicht regelgerecht ausgelegt wurde und mehr Informationen berücksichtigt werden sollten. Auch wurde die Gewichtung von Studien, die nicht gemäß von Standards wie z. B. "Good Laboratory Practice" (GLP) angefertigt wurden als nicht oder eingeschränkt vertrauenswürdig kritisiert (Kilmisch System 3 und 4).
Zusammenfassen bemängelt die Studie, dass die Industrie nicht hinreichend endokrine Effekte bewertet hat und nicht alle Daten bei ihren Bewertungen berücksichtigt. Daher fordern die Autoren stärkere Kontrollen der ECHA und der Mitgliedsstaaten, um die Qualität der Registrierungsdossiers hinsichtlich der Vollständigkeit der Daten zu verbessern. Die Ergebnisse solcher Bemühungen zur Dossierverbesserung sollten öffentlich gemacht werden. Auch wird die Forderung nach einer der Leitlinien für die Bewertung von endokrinen Eigenschaften formuliert.


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5. Substitution von Gefahrstoffen – Seminar und Training

Die Suche nach Substituten für Gefahrstoffe und die Beurteilung der alternativen Stoffe sind zentrale Schritte eines Substitutionsprozesses und stehen im Mittelpunkt dieses Seminars. Angeleitet von erfahrenen Referenten lernen Sie in Kleingruppen auf  interaktive Weise grundlegende Konzepte und Hilfsmittel kennen. Diese werden anhand von Praxisbeispielen erläutert und angewendet.
Wo: Kooperationsstelle Hamburg IFE GmbH, Humboldtstraße 67a, 22083 Hamburg
Wann: 12. September 2013, 9:00 – 16:30
Folgende Instrumente werden während des Seminars vorgestellt:

  • SUBSPORT – das Substitutionsportal
  • Die TRGS 600 `Substitution‘ ist die derzeit gültige technische Regel in Deutschland. Sie präzisiert das Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung.
  • Das Spaltenmodell ist eine einfache Methode, um zu prüfen, ob eine Chemikalie, die Sie einsetzen wollen, weniger gefährlich ist als eine Chemikalie, die bereits verwendet wird.
  • Green Screen ist ein umfassenderes Beurteilungsinstrument, das Sie für wichtige  Kunden oder Regionen bereits jetzt brauchen oder in Zukunft brauchen werden.

Hier können Sie den aktuellen Informationsflyer mit dem vollständigem Programm und einem Anmeldeformular herunterladen. Dieses Seminar wird erneut am 14. November 2013 angeboten.
http://www.subsport.eu/substitution-training?lang=de


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Bereiten Sie sich auf die Meldung an das Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis vor!